Zukunft am Ballermann

Gefunden auf einer Seite eines Freundes….

September 2024

Ich sitze an der Playa. Früh morgens beim Kaffee in einer Plexiglas-Box am Balneario 5 im Distancing-Modus. Neben mir mein Rucksack mit dem Pandemie-Pack (Masken, Desinfektionsmittel, sowie meinem neuen Immunitätsausweis, der seit der verrückten Zeit aus dem Jahre 2020 bei Reisen verpflichtend ist). Ein Bier wäre jetzt auch nice. Schnell den OR-Code der digitalisierten Karte gescannt und die Bestellung via Bluetooth zur Theke geschickt.

Prost Playa

Hinter mir, im 5 Sterne Plus Resort, dort wo einmal der Megapark stand, klappern die ersten Teller. Gläser klirren und Gemurmel der Frühstücks-Gäste ertönt über die Luxus-Anlage. Der Tag beginnt. Die Kellnerin kommt mit meinem San Miguel und wischt zuvor den Tisch aus nanoseptischem Material ab. Prost Playa!

Ab zum Strand

Um 10:00 Uhr öffnet vor mir die Scanner-Schranke zum Strand. Nur mit einer zuvor via App aktivierten Reservierung betreten erste Gäste den Sand, marschieren durch die Desinfektions-Sprühanlage und breiten ihre Handtücher in den zugewiesenen Parzellen aus. „Lass sie machen“ denke ich mir. Die Sonne scheint und es verspricht ein heißer Tag zu werden.

50 Euro bitte

Ich trinke mein Bier aus, zahle online und mache mich auf den Weg. Von der Strandpromenade erst einmal Richtung Carrer del Pare Bartomeu Salvà. Schinkenstraße darf man nach einer Verordnung aus dem Jahre 2021 nicht mehr öffentlich sagen. Fällt dieses Wort, die Policia Local hört es, sind direkt 50 Euro fällig.

Rolex-Werner und Gisela

Ich erreiche die Ecke der Schi… Carrer del Pare Bartomeu Salvà und schlendere an der Bamboleo Champagner-Lounge vorbei. Da sitzen sie also auch schon am frühen Vormittag: Der Rolex-Werner mit seiner aufgebrezelten Gisela. Sein Hilfiger-Hemd einen Knopf zu weit auf, das Goldkettchen spannt sich um den vom Sonnenbrand geröteten Hals und ein noch „röterer“ Bauchansatz ist zu erkennen. Gisela scheint das nicht zu stören. Sie hat eh nur Augen für Juan, der im Hemd und Fliege seit neuestem in der Champagner-Lounge bedient.

Ein Relikt aus früheren Tagen

Gegenüber vom Bamboleo erstrahlt die neue Shopping-Mall. Hier gibt es alles, was das Feinschmecker- und Luxus-Weibchen-Shopping Herz erfreut. Die Wege in der Mall sind gesäumt mit Wein- Sekt und Prosecco-Ständen. Zuviel für mich. Raus hier. Draußen vor der Türe entdecke ich eine Gruppe junger Menschen. Sie wirken wie ein Relikt aus der Steinzeit. Handtücher um den Nacken, Adiletten, neonfarbene Shorts und blinkende Sonnenbrillen. Sie wirken verstört. An ihnen ist die Entwicklung der Playa komplett vorbeigegangen. „Wo ist der Bierkönig hin“ fragen sie mich. Ich zucke mit den Schultern und gehe weiter

Das Hüftgold – 1 Stern

An der 2. Meereslinie entlang Richtung Bierstraße. (Darf man das noch sagen..ich weiss es nicht genau) Auf dem Weg dorthin, dort wo früher einmal das Steak-Restaurant 800 Grad stand, befindet sich heute eines der besten Restaurants der Insel, das „Hüftgold“. Ausgezeichnet mit 1 Michelin Stern. Die Karte offeriert Kobe-Steaks, Büffel-Mozzarella und Hummergerichte. Er also auch denke ich mir. Die Legende vom Ballermann, die Ikone der Party-Schlager-Musik. Einzig ein roter Adidas-Trainingsanzug hinter Glas an der Wand erinnert noch an Zeiten von Dosenbier und Mittelfingern.

Nun stehe ich hier. Mitten auf der Bierstraße. Auf der Ecke das „Deutsche Eck“. Ganz in Weiss gehalten mit Plüsch und Chi Chi. Ich schließe meine Augen, ein Kölsch in der Hand und aus der Ferne dringt eine vergangene Melodie in meinen Schädel. Ich rieche den Geruch von Wunderkerzen und ich höre sie singen: „Sierra, Sierra Madre del Sur, Sierra, Sierra Madre, oh, oh..“

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